Interaktionstraining / Feinfühligskeitstraining - frühe Hilfe für Eltern mit Neugeborenen
Ein größer werdender Anteil von Eltern fühlt sich bei der Geburt ihres ersten Kindes unterstützungsbedürftig und Orientierung suchend im Umgang mit ihrem Neugeborenen. Manchen Eltern fehlt ein Maßstab für die normale gesunde Entwicklung ihres Kindes, für Förderungsmöglichkeiten, Ein größer werdender Anteil von Eltern fühlt sich bei der Geburt ihres ersten Kindes unterstützungsbedürftig und Orientierung suchend im Umgang mit ihrem Neugeborenen.Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten und den adäquaten Umgang mit dem Kind.
So sind Eltern guten Willens ihr Kind angemessen zu betreuen und zu versorgen, es fehlt jedoch das grundlegende Verständnis. Die kindlichen Verhaltensweisen und Lebensäußerungen werden dann missverstanden, falsch interpretiert und eingeordnet und erfahren ggf. unangemessene Reaktionen.
So werden zum Beispiel Verhaltensweisen, auch von Säuglingen, teilweise als absichtsvoll interpretiert („der will mich ärgern“) oder altersgemäßes und entwicklungsbedingtes Verhalten wird als Provokation fehl interpretiert.
Auf Grund dieser falschen Interpretation reagieren die Eltern unangemessen, was zu Frustrationen beim Kind mit anschließenden Wutäußerungen oder Weinen führt. Hieraus resultiert eine Spirale negativer Interaktionen, die sowohl das Kind in seiner Entwicklung behindern als auch die Eltern frustrieren und in ihrer Erfahrung von Selbstwirksamkeit (als gute Eltern das Kind beruhigen zu können) beeinträchtigen. Die Interaktion wird so sowohl vom Kind als auch von den Eltern als negativ und unbefriedigend erlebt. Dies führt zwangsläufig zu weiteren Frustrationen verbunden mit Gefühlen von Ärger, Wut, Insuffizienz und Hilflosigkeit, die auch in Gewalt resultieren können.
Die frühe Interaktion zwischen Eltern und Kind ist bekanntermaßen von grundlegender Bedeutung für die Ausbildung einer sicheren Bindung des Kindes. Diese wiederum beeinflusst sowohl die psychische Gesundheit insgesamt als auch insbesondere das Beziehungsverhalten grundlegend. Bindungsstörungen gehören zu den mit am schwierigsten zu behandelnden psychischen Störungen.
Daher ist es von großer Bedeutung für die spätere psychische Gesundheit der Kinder, dass die Eltern-Kind-Interaktion frühzeitig in konstruktive Bahnen gelenkt wird. Hierbei sollten die Eltern bei Bedarf schnell und unkompliziert Hilfe erhalten.
Ein Interaktionstraining kann Eltern unmittelbar und durch anschauliches Lernen einen angemessenen Umgang mit ihrem Säugling vermitteln. In einem Interaktionstraining lernen Eltern durch direkte Anleitung, aber auch durch Modellernen, die Signale und Verhaltensweisen des Kindes richtig zu verstehen und zu interpretieren, angemessen darauf zu reagieren und damit umzugehen.
Dadurch werden sie besser in die Lage versetzt, Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und zu befriedigen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Die Sicherheit der Eltern im Umgang mit dem Kind kann deutlich erhöht werden.
Aber auch Gewalt aus Unsicherheit und Hilflosigkeit gegenüber dem Säugling kann auf diesem Wege vermieden werden.
Im Bewusstsein der immensen Bedeutung der frühen Eltern-Kind-Interaktion für die Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung und der Entwicklung des Kindes insgesamt hat die Ev. Jugendhilfe Rendsburg ihr Angebotsspektrum um diese frühen Hilfen erweitert. Für junge Eltern werden zwei Varianten der Hilfe angeboten. Beiden Trainings liegt das SAFE-Interaktionstraining von Dr.habil. Brisch, München zugrunde.
Interaktionstraining nach Dr. habil. Brisch, Universität München
Dieses Interaktionstraining bietet Eltern in 12 Theorie- und Praxiseinheiten Hilfestellung, davon 4 Einheiten vor der Geburt und 8 Einheiten nach der Geburt. Jede Einheit dauert 4 Stunden, findet in einer festen Elterngruppe mit 6-8 Eltern(paaren) statt und fördert zusätzlich den Kontakt zu anderen Eltern und trägt damit auch zur Erweiterung des sozialen Netzes bei.
Das Interaktionstraining richtet sich schon an werdende Eltern (möglichst vor dem 7. Schwangerschaftsmonat). Vermittelt werden fundierte Erkenntnisse über Gefühle und Phantasien in der Schwangerschaft, vorgeburtliche Bindung, Auswirkungen der Schwangerschaft auf die Paarbeziehung – Übergang zur Elternschaft, Mechanismen der unbewussten Weitergabe eigener traumatischer Erfahrungen an das Kind und die Unterbrechung solcher „Teufelskreise“ sowie Bindungsentwicklung des Säuglings.
Das Interaktionstraining bietet nach der Geburt im Laufe des ersten Lebensjahres Informationen über die emotionale Entwicklung des Kindes, die Entwicklung des Bindungs- und Erkundungsverhaltens, Kom¬petenzen des Säuglings und der Eltern, Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten des Babys (Schlafstörungen, Fütterprobleme, exzessives Schreien), Aufgabenteilung und Umgang mit Bedürfnissen mit dem Ziel die Signale des Babys besser zu verstehen und darauf zuverlässig und angemessen reagieren zu lernen.
Feinfühligkeitstraining in Anlehnung an das SAFE®- Interaktionstraining nach Dr. habil. Brisch, Universität München
Das Feinfühligkeitstraining findet in der Einzelsituation mit Eltern und Kind, vorzugsweise im Haushalt der jungen Familie, statt. Videogestützt lernen die Eltern hier ganz konkret und praktisch unter Anleitung der Fachkraft die Signale ihres Babys in typischen Situationen (z.B. Spiel-, Wickel- oder Füttersituationen) richtig zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
Das Training umfasst mindestens 6 Einheiten à 2 Stunden, davon nach Möglichkeit eine Einheit vor der Geburt. Das Training sollte nach der Geburt innerhalb der ersten sechs Lebenswochen des Kindes beginnen. Es kann bei Bedarf verlängert werden.
Bei Bedarf übersenden wir Ihnen gerne Informationen für Eltern.